home
print·home·mail

Hüfte

zurück zur Übersicht

Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) und Gelenkersatz

Häufigste Ursache einer Hüftgelenkserkrankung ist der Knorpelverschleiss, aus der sich die Hüft- bzw. Coxarthrose entwickeln kann. Hier werden primäre Arthrosen mit weitgehend unbekannten Ursachen und sekundäre Arthrosen nach bestimmten Grunderkrankungen (angeborene Formveränderungen Rheuma, Durchblutungsstörungen, Unfälle, etc.) unterschieden. Das Gelenk verliert zunehmend seine Passform, der Knochen bildet an den Rändern Ablagerungen und Abriebprodukte verursachen wiederholt Schmerzen. Der Knorpelverlust führt zu einer zunehmenden Einsteifung des Gelenkes. Gleichzeitig treten Anlauf- und Belastungs-, später Nacht- und Ruheschmerzen auf, die zu einer Reduzierung der Gehstrecke und letztlich einer Einschränkung der Lebensqualität führen.

 

ArthroseArthrose RöntgenbildDie Arthrose lässt sich wie im Schema auch im normalen Röntgenbild darstellen, wobei die Verschmälerung des Gelenkspaltes zwischen Hüft- und Oberschenkelknochen als indirektes Zeichen des Knorpelverlustes zu erkennen ist. Kugel und Pfanne sind häufig teilweise zerstört und passen nicht mehr optimal ineinander ("auf der Felge laufen").

Hüftgelenksprothese: Material und Fixation

Wenn konservativen Behandlungsmassnahmen (Physiotherapie, Bädertherapie, Massagen, Schmerz-medikamente, etc.) ausgereizt, die Schmerzen zu stark geworden sind und das Röntgenbild eine Arthrose zeigt, ist der Zeitpunkt für eine Operation gekommen. Bei der Hüftarthrose muss sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne ersetzt werden, es erfolgt das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes, einer sogenannten Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TP).

Die seit den 60er Jahren ständig verbesserten Operationstechniken und Implantate machen diesen Eingriff zu einer der häufigsten und erfolgreichsten Routineoperation (europaweit ca. 400.000 /Jahr) in der Orthopädischen Chirurgie.

Die Prothese ist der menschlichen Natur nachgebildet, d.h. sie besteht aus einer Pfanne und einem Schaft auf den ein Kugelkopf aufgesetzt wird. Mit Hilfe der präoperativen Planungsskizze werden Modellgrösse und Fixation der Prothese bestimmt, wobei hier individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden (Alter, Geschlecht, Knochenform, Körpergewicht, etc.).

Hüftgelenk Operation
Operationsschritte bei Einbau eines künstlichen Hüftgelenkes

Bei der Implantation unterscheidet man drei verschiedene Fixationstechniken:

  • Die zementfreie Endoprothese:
    Schaft und Pfanne werden "press-fit" exakt in den Knochen eingepasst.
  • Die zementierte Endoprothese:
    Hüftpfanne und Schaft werden mit schnellhärtendem, antibiotikahaltigem
    Knochenzement befestigt.
  • Die Hybrid-Endoprothese:
    die Pfanne wird zementfrei, der Schaft mit Knochenzement verankert.
Zementfreie Standardprothesen
Zementfreie Standardprothesen
und -pfannen
 
Zementfreie Prothese Röntgenbild
Zementfreie Prothese im
Röntgenbild

Die unzementierte Version hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen immer grösseren Stellenwert als Standardversorgung erlangt. Titanimplantate, häufig versehen mit speziellen makro- oder mikrostrukturierten Oberflächen, eignen sich aufgrund des hervorragenden Einwachsens in den Knochen besonders gut zur zementfreien Implantation. Verwendet werden hierbei ausschliesslich Prothesen, die sich weltweit hervorragend bewährt haben.

Alternativ besteht für den Fall einer zementierten Prothese die Pfanne aus Polyethylen, der zementierte Schaft aus einer Chrom-Kobalt-Legierung. Für diese traditionelle Versorgungsweise stehen langzeitbewährte Implantate zur Verfügung.

Als innovativer Ansatz stehen seit kurzem Kurzschaftprothesen und Oberflächenersatzmöglichkeiten zur Verfügung, die den sonst resezierten Schenkelhals erhalten und sich im oberen Teil des Oberschenkelknochens abstützen. Die minimalinvasive Implantation schont Trochantermassiv sowie Gesässmuskulatur und beschleunigt die Rehabilitation. Während die Kurzschaftprothese eine attraktive Alternative zu den bisherigen zementfreien Prothesen darstellen und unsere minimalinvasive Philosophie unterstützen, ist der Oberflächenersatz vor allem für junge Patienten geeignet. Beiden Verfahren ist gemein, dass sie ideale Rückzugsmöglichkeiten für den Fall einer späteren Revision bieten.

 

 Kurzschaftprothese
Kurzschaftprothese mit Abstützung im proximalen Femuranteil unter Erhalt des Schenkelhalses (mit freundl. Genehmigung Firma Zimmer)

 

PfanneOberflächenersatz, der einerseits die Pfanne ersetzt, andererseits den Schenkelhals und Teile des Oberschenkelkopfes erhält. 

 

Als sogenannte Gleitpaarungen (Gelenkkomponenten, die direkten Kontakt miteinander haben) zwischen Pfanneneinsatz und künstlichem Hüftkopf werden Polyethylen/Keramik-, Keramik/ Keramik- oder Metall/Metall-Kombinationen verwendet. Durch neueste Entwicklungen bei den Gleitpaarungen wurde das Abriebverhalten der Komponenten dahingehend optimiert, dass jahrelange Belastungen nahezu materialabriebfrei toleriert werden.

 

 

HüftgelenkeTypische Gleitpaarungen wie Metall-Metall, Keramik-Keramik oder Metall-Polyäthylen.

Eine nochmalige Verbesserung der Haltbarkeit versprechen derzeit Navigationssysteme, welche ähnlich einem GPS-System in der Fahrzeugnavigation die operativen Schritte und Knochenresektionen am Computer überprüfen um eine optimale Anpassung der Prothesenteile, eine achsgenaue Ausrichtung und eine Optimierung der Bandspannung zu gewährleisten. Erste Studien, welche wir aufgrund unserer grossen Erfahrungen mit Navigationssystemen bestätigen können, zeigen verlängerte Laufzeiten auf.

 

Hüftgelenk OPNavigationssysteme ermöglichen ähnlich einem GPS-System eine optimale Implantation von Hüftgelenksprothesen und ermöglichen somit eine verlängerte Haltbarkeit.

Nachbehandlung

Endoprothetische Operationen werden ausschliesslich unter stationären Bedingungen durchgeführt. Zur Gewährleistung eines optimalen Operationserfolges erfolgt eine frühzeitige postoperative Mobilisation mit Hilfe der Physiotherapie, wobei abhängig von den erwähnten Implan-tationstechniken eine schnelle Belastung des operierten Beines erlaubt wird. Bei zementierten Prothesen und unauffälliger Wundheilung erfolgt eine baldige Vollbelastung des operierten Beines. Teilzementierte und zementfrei implantierte Prothesen sind für 2 Wochen mit 10 - 20 kg belastbar; danach ist ein schneller Übergang auf Vollbelastung möglich.

Für den überwiegenden Teil der Patienten schliesst sich nach einem 10- bis 14-tägigen Klinikaufenthalt ein 2-wöchiger Rehabilitationsaufenthalt an. Im Rahmen regelmässiger, engmaschiger ambulanter Kontrolluntersuchungen werden die Fortschritte der Patienten dokumentiert und ggf. eine ambulante Fortsetzung der mobilisierenden Therapie verordnet.

Gelenkersatz und Sport

Verbunden mit einer schweren Arthrose des Hüftgelenks ist eine deutliche Einschränkung sportlicher Aktivitäten. Die durch den Gelenkersatz erzielte Beschwerdefreiheit lässt den Wunsch nach teilweiser Rückkehr zum Sport aufkommen. International besteht Einigkeit, dass zumindest sogenannte "low-impact" Sportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Segeln, Tauchen, Golf und Kegeln unterstützt werden können. Bedingt möglich bzw. ratsam sind Sportarten wie Tennis, Basketball und Skilaufen. Unbedingt vermieden werden sollten Kontaktsportarten (Fussball, Handball etc).